Heinz Müller: Der Traumhüter Teil 2
abgelegt im Archiv 11Helden am 09.01.08
So Geschichten liebe ich: Einst guter und talentierter Torwart schafft den großen Durchbruch doch nicht, geht in die Provinz, nachdem die Profikarriere schon mehr oder minder abgehakt ist und wird dort zum Helden. Lars Leese war so einer. Ronald Reng hat seine Geschichte in dem wunderbaren Buch Der Traumhüter aufgeschrieben.
Und nun schreibt die FAZ über einen Heinz Müller Heinz Müller spielt wie eins Lars Leese beim FC Barnsley in der zweiten englischen Liga.
Und so heißt es in dem Artikel:
Jetzt reden sie von Heinz Müller. Gerade mal ein halbes Jahr spielt er in Barnsley, da steht er angeblich auf den Wunschzetteln von Arsenal, Liverpool, aston villa und Everton. Und in Deutschland hat Felix Magath Interesse am 29 Jahre alten Müller, die Agenturen meldeten schon, womöglich fliege er mit ins Trainingslager des VfL Wolfsburg nach Portugal.
"So schnell geht es nicht", sagt Müller, "die Koffer habe ich noch nicht gepackt." Aber er will nicht bestreiten, dass sich der Verein bei seinem Berater Rainer Störk gemeldet hat. "Wahnsinn" nennt Störk das, "was da gerade mit dem Heinz abgeht." Denn bis Weihnachten war der gebürtige Frankfurter in Fußball-Deutschland kein Begriff mehr. Genau wie Leese, den nur Insider kannten, als er plötzlich plötzlich einen Sieg gegen den FC Liverpool an der Anfield Road sicherte.
Ein halbes Jahr Norwegen als Trainingslager
Als 19 Jahre alter Nachwuchsspieler war Müller in Hannover nicht am Sechsundneunziger-Idol Jörg Sievers vorbeigekommen, später bei Arminia Bielefeld stellte ihn Benno Möhlmann nicht auf, mit dem FC St.Pauli stieg er danach in die Regionalliga ab, und 2003 verletzte er sich als Torwart von Jahn Regensburg. Schambeinentzündung, zehn Monate Pause, "ich war runter von der Bildfläche", sagt Müller. "Da denkt man dann darüber nach, ob's das war mit dem Fußball."
Als er wieder gesund ist, vermittelt ihn Berater Störk in die norwegische Provinz Telemark. Bei Odd Grenland bekommt Müller einen Vertrag bis Ende Dezember 2004, für die zweite Hälfte der norwegischen Saison. "Das sollte ein Trainingslager sein für mich, um das Gefühl für den Sport zurückzubekommen." Immerhin, Odd spielt im Uefa-Cup gegen Feyenoord Rotterdam, bei Regensburg hätte Müller das nicht erlebt.
"Pass auf, wir sind deine große Chance"
Und während er in Deutschland in Vergessenheit gerät - vielleicht auch, weil er, wie sich der ehemalige Konkurrent Sievers erinnert, "als junger Kerl nicht immer der Professionellste war" -, entdecken ihn in Norwegen Uwe Rösler und Jan Åge Fjörtoft, Trainer und Manager von Lilleström SK, einem besseren norwegischen Verein. "Wir haben Heinz beobachtet. Er trainierte unheimlich hart, war sehr ehrgeizig, mit seiner Größe von 1,94 sieht er auch aus wie ein Torwart.
Außerdem kommt er aus der deutschen Torwartschule", erzählt der ehemalige Frankfurter Profi Fjörtoft. Er und Rösler wollen Müller, machen ihm den Mund wässrig: "Wir haben Heinz gesagt: Pass auf, wir kennen deine Karriere, wir sind deine große Chance." Denn in Norwegen sind zwar keine deutschen, dafür aber englische Scouts Stammgäste. "Wir haben ihm damals gesagt, dass er vielleicht die Chance bekommt, nach England zu gehen."
Gut gespielt und schon ein kleiner Star
Müller unterschreibt, spielt ab Anfang 2005 bei Lilleström SK. Er trainiert mit Frode Grodås, der bei Chelsea und Schalke gespielt und für Norwegen bei den Weltmeisterschaften 1994 und 1998 im Tor gestanden hatte. Von diesem Training profitiere er heute noch, und überhaupt habe er sich nach seiner Verletzung geändert, sagt Müller: "Seitdem suche ich nach jedem Spiel das Zwiegespräch, gestehe mir Fehler ein, frage mich, was ich falsch gemacht habe. Wer Ausreden sucht, entwickelt sich nicht weiter."
Er entwickelt sich, spielt gut und wird ein kleiner Star in Norwegen: Müller darf einen Werbespot für die Liga drehen, in dem er mit verbundenen Augen Elfmeter hält. Von der Qualität dieser Liga habe man in Deutschland kaum Ahnung, sagt er. "Das ist keine Pappenstiel-Kick, mit dem unteren Drittel der Bundesliga können die norwegischen Vereine mithalten."
"Nur zweite Liga? England ist England"
Im Frühjahr 2007 dann geht die Vorhersage von Manager Fjörtoft in Erfüllung: Barnsleys Trainer Simon Davey beobachtet Müller, weil er, neu im Amt, eine Mannschaft aufbauen will. Müller fliegt zum Probetraining und ist schnell überzeugt: "Klar spielt Barnsley nur in der zweiten Liga, aber die ist viel stärker als anderswo die erste. England ist England."
Und so landet nach Lars Leese der zweite in Deutschland vergessene Torhüter in Barnsley, im Süden der nordenglischen Grafschaft Yorkshire. Fjörtoft muss ihn ziehen lassen, erreicht aber noch, dass Lilleström "stark profitiert", sollte Barnsley eines Tages Müller gewinnbringend transferieren. "Sonst wäre der Deal geplatzt", sagt Fjörtoft.
"In diesem Job hat keiner eine Garantie"
Jetzt wünscht sich auch der Norweger, dass Müller zu einem größeren Verein wechselt, "damit wir Geld verdienen". Dass Premier-League-Vereine Interesse an ihm haben, weiß Müller nur aus der Zeitung. "Die müssen Barnsley kontaktieren, und dann kommt der Verein auf mich zu. Das ist noch nicht passiert, mein Vertrag läuft noch drei Jahre. Es kann auch sein, dass ich hierbleibe."
Aber natürlich träumt er jetzt vom ganz großen Fußball mit Arsène Wenger, Rafael Benitez - oder Felix Magath. "Ausschlaggebend wären die Gespräche mit den Trainern. Ich richte mich nach den sportlichen Chancen." Die wären in Wolfsburg wohl größer als bei Arsenal. Aber auch dort würde er seine Chance suchen: "In diesem Job hat keiner eine Garantie. Das sieht man ja an Jens Lehmann. Und ich weiß das schon lange."
Quelle: FAZ vom 8.1.2008, Seite 30
Ein halbes Jahr Norwegen als Trainingslager
Als 19 Jahre alter Nachwuchsspieler war Müller in Hannover nicht am Sechsundneunziger-Idol Jörg Sievers vorbeigekommen, später bei Arminia Bielefeld stellte ihn Benno Möhlmann nicht auf, mit dem FC St.Pauli stieg er danach in die Regionalliga ab, und 2003 verletzte er sich als Torwart von Jahn Regensburg. Schambeinentzündung, zehn Monate Pause, "ich war runter von der Bildfläche", sagt Müller. "Da denkt man dann darüber nach, ob's das war mit dem Fußball."
Als er wieder gesund ist, vermittelt ihn Berater Störk in die norwegische Provinz Telemark. Bei Odd Grenland bekommt Müller einen Vertrag bis Ende Dezember 2004, für die zweite Hälfte der norwegischen Saison. "Das sollte ein Trainingslager sein für mich, um das Gefühl für den Sport zurückzubekommen." Immerhin, Odd spielt im Uefa-Cup gegen Feyenoord Rotterdam, bei Regensburg hätte Müller das nicht erlebt.
"Pass auf, wir sind deine große Chance"
Und während er in Deutschland in Vergessenheit gerät - vielleicht auch, weil er, wie sich der ehemalige Konkurrent Sievers erinnert, "als junger Kerl nicht immer der Professionellste war" -, entdecken ihn in Norwegen Uwe Rösler und Jan Åge Fjörtoft, Trainer und Manager von Lilleström SK, einem besseren norwegischen Verein. "Wir haben Heinz beobachtet. Er trainierte unheimlich hart, war sehr ehrgeizig, mit seiner Größe von 1,94 sieht er auch aus wie ein Torwart.
Außerdem kommt er aus der deutschen Torwartschule", erzählt der ehemalige Frankfurter Profi Fjörtoft. Er und Rösler wollen Müller, machen ihm den Mund wässrig: "Wir haben Heinz gesagt: Pass auf, wir kennen deine Karriere, wir sind deine große Chance." Denn in Norwegen sind zwar keine deutschen, dafür aber englische Scouts Stammgäste. "Wir haben ihm damals gesagt, dass er vielleicht die Chance bekommt, nach England zu gehen."
Gut gespielt und schon ein kleiner Star
Müller unterschreibt, spielt ab Anfang 2005 bei Lilleström SK. Er trainiert mit Frode Grodås, der bei Chelsea und Schalke gespielt und für Norwegen bei den Weltmeisterschaften 1994 und 1998 im Tor gestanden hatte. Von diesem Training profitiere er heute noch, und überhaupt habe er sich nach seiner Verletzung geändert, sagt Müller: "Seitdem suche ich nach jedem Spiel das Zwiegespräch, gestehe mir Fehler ein, frage mich, was ich falsch gemacht habe. Wer Ausreden sucht, entwickelt sich nicht weiter."
Er entwickelt sich, spielt gut und wird ein kleiner Star in Norwegen: Müller darf einen Werbespot für die Liga drehen, in dem er mit verbundenen Augen Elfmeter hält. Von der Qualität dieser Liga habe man in Deutschland kaum Ahnung, sagt er. "Das ist keine Pappenstiel-Kick, mit dem unteren Drittel der Bundesliga können die norwegischen Vereine mithalten."
"Nur zweite Liga? England ist England"
Im Frühjahr 2007 dann geht die Vorhersage von Manager Fjörtoft in Erfüllung: Barnsleys Trainer Simon Davey beobachtet Müller, weil er, neu im Amt, eine Mannschaft aufbauen will. Müller fliegt zum Probetraining und ist schnell überzeugt: "Klar spielt Barnsley nur in der zweiten Liga, aber die ist viel stärker als anderswo die erste. England ist England."
Und so landet nach Lars Leese der zweite in Deutschland vergessene Torhüter in Barnsley, im Süden der nordenglischen Grafschaft Yorkshire. Fjörtoft muss ihn ziehen lassen, erreicht aber noch, dass Lilleström "stark profitiert", sollte Barnsley eines Tages Müller gewinnbringend transferieren. "Sonst wäre der Deal geplatzt", sagt Fjörtoft.
"In diesem Job hat keiner eine Garantie"
Jetzt wünscht sich auch der Norweger, dass Müller zu einem größeren Verein wechselt, "damit wir Geld verdienen". Dass Premier-League-Vereine Interesse an ihm haben, weiß Müller nur aus der Zeitung. "Die müssen Barnsley kontaktieren, und dann kommt der Verein auf mich zu. Das ist noch nicht passiert, mein Vertrag läuft noch drei Jahre. Es kann auch sein, dass ich hierbleibe."
Aber natürlich träumt er jetzt vom ganz großen Fußball mit Arsène Wenger, Rafael Benitez - oder Felix Magath. "Ausschlaggebend wären die Gespräche mit den Trainern. Ich richte mich nach den sportlichen Chancen." Die wären in Wolfsburg wohl größer als bei Arsenal. Aber auch dort würde er seine Chance suchen: "In diesem Job hat keiner eine Garantie. Das sieht man ja an Jens Lehmann. Und ich weiß das schon lange."
Permalink: Heinz Müller: Der Traumhüter Teil 2
Tags: Torwart Deutschland Torhüter Heinz+Müller Traumhüter Lars+Leese
Stimmen Sie ab für Heinz Müller: Der Traumhüter Teil 2:
|
Dieser Eintrag wurde mit: 9.00 Punkten (von 3 Stimme(n) insg.) bewertet.
|
| RSS | |
|
| |
| Yahoo! |
|
| Bloglines |
|
| Followen Sie uns bei Twitter! |
Most Popular
11Helden
Abseits
auf dem Platz
Aufwärmen
Auswärtspiel
Best of
Bundesliga
Copa America
DFB 11
EM2008
Europa
Europameister
Frauenfussball
Fußballtraining
im Team
Informationen über
Kurz vorgestellt
Misc
multimedial
Schon gewusst
